
Der Schwarzdorn – ein stachliger Kauz mit genehmen Seiten
Wer oder was ist dieser schwarzer Dorn, ein dunkler Geselle, ein bewehrter Tu-Nicht-Gut oder gar noch schlimmer? Ja und Nein, wenn ein Geselle wie der Schwarzdorn, über mehrere tausend Jahre währt, kann es unverhofft geschehen, dass man ohne Schuld in Verdammnis gerät. Übrigens unser struppiger und stachliger Kauz ist wohl mehr unter dem Namen Schlehen-Dorn bekannt und er gehört auch zu einer Familie, dies ist die Familie der Rosengewächse. Seine Verwandten tragen Namen wie Apfel, Birne, Pflaume, Zwetschgen, Pfirsich, Himbeere, Brombeere, Erdbeere aber auch Weissdorn und Rose als solches, alles also durchaus namhafte Grössen.
Ich bin sicher, dass auch der Schwarzdorn oder eben die Schlehe vor der dunklen Zeit ein hohes Ansehen hatte. Unser Kauz ist eigentlich ein Busch, der mehr in die Breite als in die Höhe wächst und im Frühjahr als einer der Ersten, fulminant in eine weisse Blütenpracht ausbricht.
Eine fulminante Blütenpracht

Ein feindliches Dickicht
Sind die Verhältnisse günstig, so breitet er sich schnell aus. Als Rosengewächs ist er mit spitzen Stacheln bewehrt, übrigens auf Latein nennt man ihn «Prunus spinosa» (stachlige Pflaume) sein Wuchs ist dicht und struppig. Alsbald befinden wir uns vor einem feindlichen Dickicht, wo für Wesen die grösser als ein Hase sind kein Durchkommen mehr ist. Das in einem solchen Dickicht, Götter und Geister aller Art hausen und wahrscheinlich ihr heiliger Hain wahr, lässt sich leicht nachvollziehen. Während der Inquisition erklärten indes unsere umnachteten Kirchenoberhäupter den Schwarzdorn zum Hexenbaum und verbreiteten die Mähr: der Teufel würde seine Jünger durch einen Dornenstich in die dunkle Gemeinschaft aufnehmen – und wer hatte wohl nicht einen Dornenstich, der in den «Beeren» war. Doch dieser Irrsinn ging noch weiter, der Scheiterhaufen selbst wurde aus Schlehenholz aufgeschichtet um des Teufels Wirt auch gleich mit all den Unschuldigen mit zu verbrennen – ein wirklich düsteres Kapitel, das wir sogleich verlassen!
Wie weisse Watten-bauschen sehen sie aus

Die Gegenwart
In Wirklichkeit ist der Schlehendorn vor allem für Vögel ein echter Schoss der Sicherheit. Er bietet diversen Vögeln gesicherte Paarungs- und Brutplätze, bspw. lieben die Nachtigallen diesen sicheren Hort in den lauen Frühlingsnächten für ihren Paarungsgesang. Die Schlehen-Früchte selbst dienen wiederum ca. 20 Vogelarten als Futterquelle. Über 70 verschiedene Schmetterlingsarten, diverse Wildbienen und Hummeln dient der Frühjahrsblüher als Nahrungsquelle. Der Hageldorn oder die wilde Zwetschge, wie er auch genannt wird, ist also ein echter Naturfreund und beherbergt selbstverständlich manch guten Geist. All ihnen ist er wohl gesonnen und hegt für sie mütterliche oder väterliche Gefühle.
Als Heilpflanze
Der Schlehendorn ist in Vergessenheit geraten, obwohl er durchaus als Heilpflanze interessante Seiten hat und nachweislich bereits vor 4500 J.v.Chr in unseren Kreisen Verwendung fand.
Die schneeweissen und leicht duftenden Blüten ergeben einen schmackhaften Tee, auch die Blätter können dazu verwendet werden. Er ist ein Blutreinigungs-Tee, wirkt magenstärkend und leicht abführend. Doch richtig kräftigend sind die Schlehen selbst. Im Herbst zieren kugelige, etwa daumengrosse, dunkelblaue Früchte den Busch. Die Früchte verlocken zum Hineinbeissen, doch der Genuss hält sich vor dem ersten Frost ziemlich in Grenzen. Denn dann sind sie noch sehr sauer, herb und bitter zugleich. Zudem hinterlassen sie auf der Zunge und im Mund ein pelziges Gefühl. Daran sind Gerb- und Farbstoffe schuld. Diese Pflanzenstoffe haben es aber in sich: Sie hemmen Entzündungen, bekämpfen Infektionen, beugen Gefässkrankheiten vor und schützen das Herz. Schlehen enthalten zudem eine ganze Reihe weitere Pflanzenstoffe, wie zum Beispiel Fruchtsäuren, Anthocyane sowie Vitamin C. Dadurch wird er ein wunderbares Kräftigungsmittel. das auch gegen die Grippe eingesetzt werden kann. Er war aber auch ein bewährtes Mittel gegen Gicht und Rheuma. Eigentlich sollte gerade bei Männern dieser Busch bestens bekannt sein, denn laut Statistik soll jeder 3 Mann in unserem Kulturkreis, der zwischen 40 und 65 Jahren alt ist, durch die Veränderung des Stoffwechsels mit Gicht in Kontakt gekommen sein. Auch dieses Anthocyan, ein zellschützender Stoff, beschäftigt neuerdings die Forschung.
Die Küche und andere Weisheiten
Die Blüten wurden gleich den Duftveilchen in Zucker kandiert und dienten als hübsche und süsse Verzierung auf manch herrlicher Torte. Die Blätter wurden zu Küchengewürze verarbeitet und natürlich die Schlehen selbst zu Kompott, Gelee, Saft, Likör und Wein, als rundum stärkendes Mittel.
Zuweilen dienten die Blüten und Blätter auch als Tabakersatz.
Derweil wir noch auf eine weitere Qualität zu sprechen kommen. Der Schwarzdorn ist ein Schutz-Baum, jedoch nicht für unsereins. Deshalb zeigt er uns Grenzen auf und lernt uns Respekt vor dem Anderen. Missachten wir sein Gebot, laufen wir Gefahr andere und vor allem uns selbst zu verletzen. Eine durchaus beachtenswerte Weisheit.
Bilder © Fotolia
Die wilden Zwetschgen

Servus, vorab vielen Dank für den gelungenen Beitrag zum Schwarzdorn. Er ist sehr informativ und ich habe viele neue Informationen erhalten. Wer ergänzend noch Rezepte zum Schwarzdorn bzw. zur Schlehe sucht, erhält diese in meinem Blog über Marmelade. Bleibt gesund und freue mich auf neue Beiträge.