
„Alant“ eine vergessener Sonnenstrahl
Inula helenium ist der lateinische Namen für den Alant. Eine Herleitung des Namens Helenium könnte sich auf eine griechisch – minoische Vegetationsgöttin beziehen. «Grosse» Pflanzen haben oft einen numinosen Hintergrund und sind aus der Berührung der Erde durch die göttlichen Wesen, deren Tränen, Blut oder Speichel entstanden. So besagt eine andere Herleitung des Ursprungs des Helenion, dass er aus einer herabgefallenen Träne der Göttin Helena entwachsen sei und Helios war schlicht die Sonne.
Der Alant ist eine typische Sonnenpflanze. Von hohem Wuchs, majestätisch und mit sonnengelben, strahlenden Blüten gekrönt. Er wird gut und gerne 2 m hoch und hat grosse lanzettförmige Blätter. Er gehört zur Familie der Korbblütler.
Diese Pflanze kommt ursprünglich aus Asien und wahrscheinlich kam sie über keltische Einwanderer und bestimmt mit den Römern zu uns. Wild trifft man ihn im Kaukasus, Griechenland, Spanien und Portugal an. Bei uns wurde sie spätestens mit Karl dem Grossen in den Klöstern und Gärten flächendeckend kultiviert. Seitdem war sie bis vor kurzem eine hoch geschätzte Heilpflanze in ganz Europa.
Weitere Namen wie: Odinskopf, Elfenampfer, Weihrauchwurz oder Sonnenwurz zeugen von der hohen Wertschätzung, die man ihm entgegen brachte.

Eine «Wurzel» mit viel Wirkung
Für die medizinische Anwendung wir die saftige, weissliche und wohlriechende Wurzel verwendet.
Seine Wirkung entfaltet er vor allem im Atmungsbereich. Er wirkt stark schleimlösend, lungenstärkend und Hustenreiz mildernd. Zudem war es das Mittel gegen Tuberkulose, selbst in sehr hoher Verdünnung hemmt er noch den Tuberkulose – Erreger.
Aufgrund seiner schleimlösenden Wirkung ist die Alant-Wurzel auch Bestandteil von manchen Hustensäften. In einigen Gegenden wurde der Alant bei Brustbeschwerden wie Tabak geraucht. Alant wurde bei Brustschmerzen, Husten und Atemnot verwendet, also auch bei asthmatischen Beschwerden.
Wir finden Alant in vielen bekannten und stärkenden Tonika, Theriaks, Magenbitter und Klostergeistern mit seiner verdauungs-, herzstärkenden und Stimmungs hebenden Eigenschaften.
Doch seine medizinische Wirkung erstreckt sich erheblich über das hinaus und er war Jahrhunderte lang das Allerheilmittel gegen alles und jedes. Da er nach alter Ansicht Sonnenkräfte verströmt, erstaunt es nicht, dass er in den „dunklen Jahreszeit“ seine Anwendung findet.
Er bringt Energie und Sonne ins Herz und erwärmt das Gemüt.
Früher wurden auch die grossen stattlichen Blätter in Wein mitgekocht oder als äussere Auflagen bei Geschwüren, Verdauungs- und Unterleibsbeschwerden der Frau verwendet.
Die europäische Heilmittel-Kommission hat ihm jedoch die Bestätigung seiner Heilkraft versagt. Was sicherlich mit ein Grund ist, dass dieses Allerheilmittel in den Dunst des Vergessenen gerückt ist.

Wurzelgemüse und andere Leckereien
Die Wurzel des Alant fand mit anderem Wurzelgemüse wie Bspw. gelben Karotten seine Verwendung. Aber auch als Leckerei stand er lange Zeit hoch im Kurs, die kandierte Alantwurzel ist eine kleine Spezialität. Die Wurzel im rohen Zustand hat einen erdigen, würzigen -harzigen, etwas rauchigen, leicht scharfen und leicht bitteren Geschmack. Der Duft erinnert mich persönlich an gebratene Bananen.
Alant fand fein gemahlen auch als Gewürz seine Verwendung. Seit der Antike ist aufgrund seines Geschmacks die Verwendung als Gewürz belegt. Eine Feinschmecker Rezeptesammlung aus dem 4. Jahrhundert, zählt Alant zu den Gewürzen, die in einer römischen Küche zwingend vorhanden sein müssen. Zu der Herrscherzeit des römischen Kaisers Diokletian war der Preis von Alant auf 5 Denaren für ein Pfund festgesetzt. Aus dem Jahr 329 nach Chr. ist belegt, dass 1000 Denare pro Pfund gezahlt wurde. Der Denar war eine Münzprägung aus Silber und die Umrechnung kann je nach heutigem Silberpreis mit etwa 2.5 Euro oder mit 2,75 Fr. gemacht werden.

Ein Räucherduft mit eigener Note
Der Alant ist eine uralte Räucherpflanze, er wird als solches schon im alten Testament erwähnt und in allen Kulturen war er als Sonnenkraut hochgeschätzt.
Beim Räuchern entwickelt die Alantwurzel ein überaus wohlriechendes, warmes, volles Aroma. Es verbreitet eine behütende Atmosphäre, entspannt, stärkt und zentriert. Alant kann alleine geräuchert werden, ist aber auch bestens für Mischungen geeignet. Ich verwende Alant in meinen erhältlichen Mischungen „Inspiration“, „Wohlgefühl“ „Magie“, „sanfte Klarheit“, „Sternschnuppe“ und „Mitte“: www.livingcircles.ch/shop
Für das Räucherritual wir die getrocknete Wurzel verwendet.
Die Wirkung
Als Sonnenkraut findet der Alant überall seine Entfaltung wo die dunkle Mächte sich manifestiert oder diese zu dominant werden. Er gehört deshalb zur Räucherung bei den Lichtfesten der dunklen Jahreszeiten: zu Halloween, zum Martinstag, zum Nikolaustag, zur Wintersonnwende, zu Weihnachten, zu den Raunächten, zum dem Perchtstag und zum Tag der Maria –Lichtmesse (Birgit-Tag). In persönlichen dunklen Zeiten bietet eine Alanträucherung mit seinem warmen und angenehmen Duft Unterstützung an. Er unterstützt bei traurigen Ereignissen und mutlosen Zuständen, er gleicht aus und beruhigt. Seine Wirkung beschreibe ich als: aufhellend, hell, kräftigend, hebt die Herzen – Stimmung und lässt mich guten Mutes sein. Zugleich erdet er mich, zentriert mich, bringt mich in mich und auf meine Füsse.

Mythologie
Als Sonnenwurz ist er auch Bestanteil bei magischen Schutzräucherungen jeglicher Art und vertreibt die übereifrigen dunklen Kräfte. Im Mittelalter trug man aus ihm gefertigte Amulette gegen bösen Zauber wie Hexenschuss oder Geisteskrankheiten. Aber er wurde auch für magische Zwecke wie Liebeszauber verwendet. An einigen Orten ist er zudem fester Bestandteil des Kräuterbüschels, zu Maria Himmelfahrt am 15 August.
