
Lichtmesse
Dieses Jahresfest ist heute praktisch in Vergessenheit geraten. Da und dort gibt es noch eine regionale Bedeutung. Der innere Gehalt war ursprünglich jedoch sehr bedeutungs- und gehaltvoll.
Das Fest der Lichtmesse ist auf den 2. Februar festgelegt und es hat verschiedene Anknüpfungspunkte zu den natürlichen Jahreserscheinungen und zu den damaligen spirituellen Anschauungen. Man darf getrost davon ausgehen, dass dieses Fest mindestens keltische Herkunft hat, was nicht ausschliesst, dass andere Kulturen oder gar Vorkulturen auch dieses Fest feierten. Da es eines der ältesten christlichen Feste ist, darf zudem davon ausgegangen werden, dass der Brauch und der religiöse Gehalt in der Bevölkerung tief verwurzelt waren. Der keltische Namen Imbolc oder die eher nordische Bezeichnung des Birgit- Tag wurde im Christentum zur Maria Lichtmesse. Für Imbolc gibt es eine Deutung die auf eine Art Waschung oder Reinigung hinweist. Der Christliche Glaube hat diesen Bezug übernommen und mit einer jüdischen Tradition überlagert, die besagt, eine Frau die ein Kind geboren hat, müsse sich nach der Geburt über eine Zeit lang einer „Reinigung“ hingeben – warum auch immer. Diese Überlagerung wurde im Volksbrauch durchaus übernommen, brachte aber die Kirchenväter in Erklärungsnot. Da Maria bekanntlich unbefleckt empfing, war sie rein und bedurfte keinerlei Reinigung. Im Konzil von 692 in Konstantinopel versuchte man deshalb und vergeblich dieses Fest ab zu schaffen.
Eigentlich ein schöner Brauch

Was ist den bedeutungsvoll an der Lichtmesse
An dieser Stelle erlaube ich mir einen Abstecher zum „Stonehenge“ der Schweiz. Die bronzezeitliche Sternwarte von Falera, welche bei Laax im Graubünden liegt, birgt neben den Steinreihen für die Sonnensonnwenden eigene Bezüge, die auf die Sonnenuntergänge zur Lichtmesse und zum Martinstag ausgerichtet sind. Das zeugt von einer grossen Wertschätzung und Bedeutung dieser Tage. Tatsächlich hat man mit dem Martinstag rituell den Winterbeginn und mit der Lichtmesse das Winterende gefeiert. Dazu gibt es einen volkstümlichen Reim, der die beiden Feste miteinander in Bezug bringt: “Martin zündet das Licht an; Maria bläst es wieder aus.” Die so definierte Winterzeit und deren Zeitqualität, entsprechen der Zeit der Einkehr, der Zeit der Geister, der Zeit der Dunkelheit und stellt eine Art Transformationszeit dar. Die Lichtmesse als Abschluss dieses Zeitfenster war im keltischen Imbolc. Die Übersetzungsform, die auf die Reinigung zielt würde auf eine Fastenzeit, was durchaus als Reinigung verstanden werden kann, hier perfekt hinpassen.
In der christlichen Tradition finden wir im Anschluss an diese Zeit jedenfalls die Fastenzeit, welche rituell mit der Fasnacht und dem endgültigen Austreiben des Winters verbunden ist. Der neue Jahreszyklus wird so, sozusagen bereinigt neu begonnen. Als eigene Zeitqualität liegt die Lichtmesse in der Mitte zwischen der Wintersonnwende und der Frühlings-Tag-und Nachtgleiche also eine Art Meilenstein im Jahreszyklus. Zudem nimmt die Zeitspanne von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nun rasant und in Riesenschritten auch für den ungeübten Beobachter merklich zu.
Sonnenaufgang im Februar

Vernetzte Bezüge
Die Bezeichnung „Lichtmesse“ rührt einerseits daher, dass man ab dem 11 Jahrhundert an diesem Tage seinen Kerzenbedarf für das kommende Jahr weihen lies und dies waren nicht nur profane Lichter, sondern da waren auch Kerzen zum Schutze gegen Unwetter und die Kerzen für die Verstorbenen, also die Totenlichter mit dabei. Zugleich war es der Tag wo die Bediensteten, die grundsätzlich freie Leute waren, für ein weiteres Jahr beim alten oder bei einem neuen Dienstherrn ihre Dienste für ein Jahr anbieten konnten. Ich vermute diese Tradition geht in der Zeitrechnung weit zurück. Da war also viel los und ein Markt oder eine Messe über diese Tage war entsprechend zu aller Nutzen. Solche Zwischen-Feste waren aber auch sogenannte „Lostage“ oder Orakeltage. Mindestens die klimatischen Verhältnisse des kommenden Frühlings wurden vorhergesagt und bestimmt auch persönliche Anliegen. Die Fruchtbarkeitsgöttin Birgit gesellte sich zudem zu diesem Treiben. Überliefert ist, dass mit dem Birgit-Tag die Säfte in den Bäumen wieder zusteigen beginnen und die Natur in ihre Kraft zurück kehrt. Real gesehen ist dem auch so. Birgit als keltische Göttin hat sehr grossen Bezug zum Licht und Feuer, zur Inspiration und vom göttlichen Funken ist es nicht weit zum Bezug zur Fruchtbarkeit, zur Befruchtung in der Natur und zur deren Geburt. Zu ehren Birgit wurden verschiedene Feuer-, Fruchtbarkeitsbräuche oder segnende „Stroh-Puppen-Bräuche“ abgehalten. Auf der anderen Seite wurde der „Dürre“, der Winter rituell verbrannt.
Ein Lichter-Brauch könnte unser Leben bereichern

Lichtmesse heute
Wir Menschen aus dem 21. Jh. benötigen keinen festgeschriebenen Tag für den Stellenwechsels mehr, wir haben keinen Bezug mehr zu einer rituellen Transformation der Dunklen Zeit des Winters oder gar zu einem zyklischen Bewusstsein. Maria Lichtmess wurde auch anfangs des 19 Jh. von der Liste der Feiertage gestrichen und heute ist dieser Tag offiziell mit „Darstellung des Herrn“ benannt. Dennoch ist es nach wie vor ein Erlebnis und eine Wohltat die zunehmende Tages-Licht-Zeit zu geniessen und die keimende Freude auf den Frühling zu verspüren.
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